VW Tiguan Allspace (seit 2017) im Test
Der VW Tiguan Allspace ist die gestreckte Version des Kompakt-SUVs. Mit großfamilientauglichem zusätzlichem Raumangebot. Der Siebensitzer im Test.
Für knapp 3.500 Euro Aufpreis verlängert VW den Tiguan um etliche Zentimeter: Der Volkswagen Tiguan Allspace ist die Langversion des beliebten Kompakt-SUV. Er streckt sich bis in die SUV-Mittelklasse. Und wird innen mit (optionaler) dritter Sitzreihe für größere Familien interessant. Wie gut Volkswagens zweitgrößtes SUV nach dem Touareg seine Sache im Detail macht? Und was für den Top-Diesel mit zwei Turbos und DSG spricht? Das klären wir im ausführlichen Alltagstest.
Abmessungen, Platzangebot, Karosserie
21 Zentimeter und die Option auf eine dritte Sitzreihe unterscheiden den Tiguan Allspace vom regulären Tiguan der zweiten Generation. Die technische Basis ist identisch: Kurz- und Langversion stehen auf Volkswagens großer Quermotor-Plattform, genannt MQB A2. Das Modell am oberen Ende des Kompakt-SUV-Segments rückt mit dem Größenzuwachs in die Mittelklasse vor: 4,70 Meter Länge ergeben eine Konkurrenz zu den deutschen Vertretern BMW X3 und Mercedes GLC. Wer ein Familien-Fahrzeug sucht, hat neben diesem VW noch Renault Koleos oder Nissan X-Trail auf dem Schirm. Und natürlich die Optionen aus dem VW-Konzern: Seat Tarraco und Skoda Kodiaq.
Mit dritter Sitzreihe fahren im VW Tiguan Allspace bis zu sieben Personen mit.
In fünfsitziger Konfiguration verfügt der Tiguan Allspace über 115 Liter mehr Kofferraumvolumen als das Standard-Modell und kann 730 bis 1.770 Liter laden. Doch das gesteigerte Raumangebot ist mit zwei zusätzlichen Einzelsitzen im Heck solide genutzt. Bei versenkter Sitzreihe bleiben immer noch 700 Liter Stauraum. In Maximal-Besetzung fasst der Kofferraum 230 Liter. Die Plätze der dritten Sitzreihe holt man relativ unkompliziert aus der Versenkung. Fingerkuppen und Inneneinrichtung sind nicht in Gefahr. Das System erfordert etwas mehr Kraftaufwand als erwartet, doch scheitern wird daran niemand.
Sitzreihe zwei lässt sich über einen weiten Bereich verschieben. Das ermöglicht einigermaßen würdevolles Einsteigen und Sitzen in der dritten Reihe. Doch die Grundposition der hintersten Stühle ist höher, damit wird die Luft über erwachsenen Köpfen knapp. In den davor liegenden Sitzreihen langt die Kopffreiheit allemal. Ausreichend Platz für Kleinzeug gibt es ebenfalls, aber nicht dort, wo man zuerst nachsehen würde: im Fach unterhalb der Mittelarmlehne. Dafür bietet unser Testwagen Fächer unter den Sitzen – und eine ausklappbare Überkopf-Lösung mit genug Brillen-Halterungen für einen Optiker im Außendienst.
Innenraum und Verarbeitung
Armaturenbrett und Mittelkonsole gestaltet Volkswagen wie im regulären Tiguan. Man sitzt in hinreichend nettem Ambiente, aber denkbar zentral im Mainstream. Möglichkeiten zur Individualisierung gibt es. Eine davon ist das R-Line-Paket (2.850 Euro) unseres Testwagens. Damit holt man Alu-Pedalerie, ein beledertes Sport-Lenkrad mit Schaltwippen sowie zweifarbige Sitzbezüge in den Innenraum. Auf Form und Taillierung der Stühle wirkt sich die Option nicht aus. Die Sitze bieten ausreichend Komfort, mehr Stütze im Lendenbereich und besserer Seitenhalt wären wünschenswert. Außerdem mehr Unterfütterung.
Armaturenbrett und Armauflagen sind ebenfalls mäßig gepolstert. Immerhin verbaut Volkswagen angenehme Materialien – und verteilt Komfort und Features einigermaßen fair. In der zweiten Sitzreihe lässt sich die Neigung der Lehne justieren, in Reihe drei stehen alltagstaugliche Armablagen sowie Getränkehalter zur Verfügung. In vielen erklärten Familienautos wirkt die Ausstattung der letzten Sitzreihe improvisierter als in diesem verlängerten Kompakt-SUV.
Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten
Unser Tiguan wiegt jenseits von 1,8 Tonnen. Volkswagen kaschiert das ganz gut. Seine Behäbigkeit zeigt das gestreckte Kompakt-SUV erst bei sehr schnellen Inputs an der Lenkung – mit viel Spiel um die Längs-Achse und verzögerter Ausführung des Befehls. Kein Problem – die meisten Fahrer werden ihren Tiguan II Allspace selten so sportiv bewegen. Das adaptive Fahrwerk DCC (serienmäßig beim Top-Diesel) kennt die Stufen Comfort, Normal und Sport. Ab der Standard-Abstimmung werden Kanten und Löcher hinreichend gut gefiltert. Ohnehin sieht VW die Sache mit dem Sport nicht sehr eng. Wer tatsächlich mehr Längsdynamik vom großen Tiguan fordert, kann über das Sport-Fahrwerk (250 Euro) nachdenken – allerdings bleiben die Dämpfer dann in jedem Fahrprogramm hart.
Neben dem Fahrwerk beeinflusst der Drehschalter an der Mittelkonsole die Arbeitsweise von Antrieb und Lenkung – auch getrennt voneinander. Wir mögen das Steuer am liebsten sportlich, sonst gerät der Widerstand zu leicht und der Leerweg um die Mittelstellung zu breit. Ein wenig Spiel bleibt – auf langen Autobahnfahrten lernt man das schnell zu schätzen. Mit Progressiv-Lenkung (225 Euro) passt das Steuer sein Übersetzungsverhältnis dem Speed an. Bei geringem Tempo kurbelt man weniger als zwei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag.
Antrieb, Motor, Getriebe
Unser Testwagen kommt mit 240 PS und Allrad. Der 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel ist das aktuell stärkste Aggregat im Tiguan II. Seine maximale Leistung liefert der Biturbo-Selbstzünder bei 4.000 Umdrehungen, das maximale Drehmoment von 500 Newtonmetern liegt laut Datenblatt konstant zwischen 1.750 und 2.500 Umdrehungen an. Am besten reagiert der Motor ab rund 2.000 Touren. Das Besondere an diesem Aggregat ist die Breite des Drehzahlbandes, der Schub bei höheren Umdrehungen. Speziell im Bereich knapp oberhalb der 4.000 Touren passiert bei anderen Vierzylinder-Dieseln weniger. Besonders sparsam fährt der kräftige Biturbo allerdings nicht. Im Stadtverkehr und bei flotterer Autobahnfahrt liegen wir im Test selten unter acht Litern.
In Tiguan und Tiguan Allspace koppelt Volkswagen den großen Diesel an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Automatik springt souverän durch die Fahrstufen, denkt beim Verzögern mit und reagiert zügig auf Kommandos der mitdrehenden Schaltwippen. Kein Grund zur Klage also – wenn sich das SUV einmal in Bewegung befindet. Beim Anfahren nervt das DSG mit einer Trägheit, die gegen jede Gaspedalstellung und sämtliche Fahrprogramme immun ist. Und die einen am Beginn der Grünphase oft zum Hindernis macht. Immerhin agiert das Allrad-System flinker. Wer bei gelockertem Stabilitätsprogramm (ESC Sport) mit viel Gas aus Kehren beschleunigt, steht nicht gleich quer. Doch wenigstens lässt der Tiguan Allspace spüren, dass die Antriebswellen an der Hinterachse vorhanden sind. Andere potente SUVs aus dem VW-Konzern schicken weniger Kraft nach hinten, solange die Vorderräder nicht geradeaus zeigen.
Infotainment, Radio und Bedienung
Angenehm übersichtlich in Grundzügen, verschachtelt in Details – so lässt sich die digitale Innenausstattung aus Infotainment und Bordcomputer umreißen. Bei Ersterem handelt es sich um die Top-Variante „Discover Pro“ (2.280 Euro) mit acht Lautsprechern und acht Zoll großem Screen. Auf dem Touch-Bildschirm an der Mittelkonsole findet man sich schnell zurecht, doch oft verlangt das System noch einen Handgriff mehr als erwartet. Dann muss man etwa das eben noch verbundene Smartphone abermals für die Musik-Wiedergabe koppeln.
Ein 11,7 Zoll großer Digital-Tacho zeigt Fahrdaten und informiert über die Arbeitsweise der Assistenten. Die Bedienung des Bordcomputers über das Multifunktions-Lenkrad verinnerlicht man schnell. Doch speziell bei elektronischen Fahrhelfern sind zwei Klicks zur Deaktivierung schlicht einer zu viel.
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Assistenzsysteme und Sicherheit
Unser Testwagen verfügt über einen Spurhalteassistenten, Blind-Spot-Warner und den adaptiven Tempomaten ACC. In Kombination ergeben radar- und kamerabasierte Systeme den Stau-Assistenten. Hier folgt das Auto im zähen Verkehr selbstständig dem Vorausfahrenden und hält sich brav zwischen den Leitlinien – solange sie gut sichtbar sind. Wer einen Tiguan oder Tiguan Allspace als Handschalter wählt, kann das Fahrassistenz-Paket Plus (1.060 Euro) guten Gewissens abwählen. Denn alles, was mit selbstständigem Stehenbleiben und Losfahren zusammenhängt, entfällt dann ohnehin. Bei einem Automatikwagen macht es Sinn.
Das Paket beinhaltet neben den Fahrhilfen die Matrix-Funktion für die LED-Scheinwerfer. Die vorderen Leuchten können den Gegenverkehr gezielt aussparen. Bedeutet in der Praxis: nie mehr abblenden bei nächtlicher Fahrt. Wer will, kann weiterhin selbst das Fernlicht aktivieren und dimmen, das braucht einen Zug mehr am Hebel.
Ausstattung und Preise
Mindestens 34.250 Euro kostet der VW Tiguan Allspace mit 150 PS starkem Basis-Benziner. Der Tiguan in normaler Länge startet bei 31.745 Euro. Macht knapp 2.500 Euro Differenz für wesentlich mehr Platz. Seat Tarraco (ab 29.980 Euro), Skoda Kodiaq (ab 28.600 Euro) oder Nissan X-Trail (ab 29.450 Euro) erhält man in der Basis günstiger. BMW X3 (ab 45.800 Euro) und Mercedes GLC (ab 46.238 Euro) sind signifikant teurer.
Wobei: Der Einstiegs-Preis ist hier kein theoretischer Kampfpreis. Beim Tiguan Allspace beinhaltet die Basis-Linie „Comfortline“ bereits ein Multifunktionslenkrad, eine Klimaanlage, die umklappbare Rückbank (Verhältnis 60:40) und eine Mittelarmlehne für die erste Sitzreihe. Modelle mit Allradantrieb kommen außerdem mit Fahrprogramm-Schalter. Vieles, was ein modernes Auto alltagstauglich macht, ist also bereits drin.
Knapp 3.600 Euro trennen die solide ausstaffierte Basis-Variante von der zweiten Ausstattungslinie „Highline“. Dann kommen LED-Scheinwerfer, 18-Zoll-Alufelgen, Notbremsassistent, USB-Schnittstelle und Drei-Zonen-Klimaanlage hinzu. Die getestete Top-Motorisierung ist an die höhere Linie gekoppelt. Mindestens 49.840 Euro kostet der VW Tiguan All Space 2,0 TDI mit 240 PS. Unter anderem treiben die genannten Pakete für Fahrassistenten und Infotainment, die R-Line-Option und die dritte Sitzreihe den Preis nach oben. Hinzu kommen die Kosten für optionale 20-Zöller (490 Euro), Anhängerassistent mit Rückfahr-Kamera (935 Euro) und kleinere optische und technische Anpassungen. In Summe kostet der Testwagen 61.711 Euro.
Fazit
Erwarte keine großen Emotionen: Der VW Tiguan Allspace erledigt seine Aufgaben so, wie man es von einem VW erwartet: solide und mit norddeutscher Ernsthaftigkeit. Das wirkt mitunter langweilig, doch in der Gesamtheit des Alltags angenehm unaufgeregt. Sitzplatz Nummer sechs und sieben realisiert Volkswagen clever. Mit dem getesteten Diesel werden eilige Familienväter glücklich, solange sie nicht zu schnell von der Ampel weg oder in die Kurve hinein möchten.
VW Tiguan II Allspace (seit 2017): Technische Daten
Modell | VW Tiguan Allspace 2,0 TDI 4Motion 176 KW |
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Motor | 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel |
Leistung | 240 PS (176 kW) |
Max. Drehmoment | 500 Nm zwischen 1.750 und 2.500 U/min |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) |
0-100 km/h | 6,2 s |
Höchstgeschwindigkeit | 230 km/h |
Verbrauch laut WLTP | 6,2 Liter pro 100 km (kombiniert) |
CO2 | 162 Gramm pro km |
Abgasnorm | Euro 6 d-TEMP |
Länge | 4.701 mm |
Breite | 1.839 mm |
Höhe | 1.655 mm |
Radstand | 2.787 mm |
Leergewicht | 1.880 kg |
Kofferraum | 700 bis 1.740 Liter (bei eingeklappter dritter Sitzreihe) |
Basispreis | ab 34.250 Euro |
Basispreis VW Tiguan Allspace 2,0 TDI 4Motion 176 KW | 49.840 Euro |
Preis Testfahrzeug | 61.711 Euro |